Grundsätzliches zur Methodik 29.09.2026

Wenn Nicht-Linguisten (Literaturwissenschaftler, Philosophen, Laien) die Bedeutung eines Wortes feststellen wollen, so sinnen sie darüber nach. Wenn Linguisten diese Aufgabe haben, so wenden sie wissenschaftliche Methoden an. Das bedeutet nicht, daß sie keine Intuition einsetzen. Natürlich braucht man gerade bei allem, was mit Verstehen zu tun hat, die Intuition. Aber erstens gehört die Sprache nicht einem Einzelnen, sondern ist Gut einer Gemeinschaft. Der Einzelne kann also nicht hoffen, über die Sprache oder einen beliebigen Teil davon vollständig zu verfügen. Folglich reicht es nicht hin, daß der Wissenschaftler seine Introspektion über ein sprachliches Objekt exteriorisiert. Vielmehr muß er empirisch erheben, wie der Gegenstand in der Sprachgemeinschaft verwendet wird. Zum zweiten muß man eine noch so gute Intuition dem Rest der wissenschaftlichen Gemeinschaft vermitteln. Dazu muß es Standards geben, nach welchen die Aussage eines Wissenschaftlers auf ihren Gegenstand bezogen und also überprüft werden kann und auf welche der Wissenschaftler sich berufen kann. Das sind eben wissenschaftliche Methoden.