Einführendes zum Skopusstellung und Schablonenstellung an anderem Ort.

Manchmal scheinen Affixe variable Position gegenüber der Basis zu haben. Tatsächlich aber bedeuten die Formen in solchen Fällen normalerweise etwas Verschiedenes, wie in folgenden Beispielen aus dem Grönländischen:

B1.a.urnik-kusun-niqar-pu-q
Grönhinkomm-wünsch-PASS-IND-SBJ.3.SG
“man wollte, daß er komme”
 b.urnin-niqar-usup-pu-q
hinkomm-PASS-wünsch-IND-SBJ.3.SG
“er wollte, daß man zu ihm komme”
B2.a.urnis-sinnaa-nngi-lar-a
Grönhinkomm-könn-NEG-IND-SBJ.1.SG&OBJ.3.SG
“ich bin nicht imstande, zu ihm zu kommen”
 b.urni-nngis-sinnaa-var-a
hinkomm-NEG-könn-IND-SBJ.1.SG&OBJ.3.SG
“ich bin imstande, nicht zu ihm zu kommen”

Beispiele aus: Fortescue, Michael 1984, West Greenlandic. London etc.: Croom Helm (Croom Helm Descriptive Grammars); 313.

Für die semantische Interpretation dieser Formen muß man nur wissen, daß grönländische Morphologie linksverzweigend ist, m.a.W. daß der Skopus eines gegebenen Morphems der gesamte Stamm links von ihm ist. Dann entspricht die Bedeutung der komplexen Form genau dem jeweiligen Skopus der betreffenden Suffixe. Deren Stellung ist also in Wahrheit regelmäßiger, als wenn sie durch morphologische Position festgelegt wäre. Tatsächlich gibt es über die Stellung dieser Suffixe, außer dem allgemeinen Serialisierungsprinzip ‘Operand - Operator’, eigentlich gar nichts zu lernen, weil der Operator jeweils an der Stelle steht, wo er semantisch hingehört.